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Der Weg

Ich setze meinen rechten Fuss vor den linken und stehe auf einem Weg. Es ist ein schmaler Weg, eine kaum sichtbare Spur. Er wurde noch nie begangen, denn es ist mein Weg. Zu meiner rechten Hand schmiegt er sich an eine hoch aufragende Felswand. Scharfkantig und beinahe kahl. Lediglich einzelne Grasbüschel klammern sich mit aller Kraft an die Felswand, um nicht vom beissenden Wind mitgerissen zu werden. Ihre Farbe hat sich weitgehend derjenigen der Felswand angepasst, ein warmes rostiges Rotbraun. Zu meiner linken Hand fällt die Felswand jäh ab in unergründliche Tiefen. Doch die Tiefe wirkt nicht tief vor der Unendlichkeit des Meeres, dessen Brandung mit ungezügelter Kraft an den Fuss der Felswand schlägt. Ich bin jedoch so hoch, dass das gewaltige Rauschen der Brandung nur sehr schwach und gedämpft an mein Ohr dringt. Ich drehe vorsichtig meinen Kopf in Richtung Abgrund und schaue auf das Meer hinaus. Im schwachen doch langsam intensiver werdenden Licht der Morgendämmerung wirkt es schwarz und unheimlich endlos. Mein Verstand scheitert an der Aufgabe, den Horizont zu erfassen, die Grösse und Tiefe, die immense Ganzheit und Totalität des Ozeans in sich aufzunehmen. Tief, sehr tief unter mir erkenne ich einen weissen Saum, wo sich die Wellen am Felsen brechen. Er wirkt so schmal im Angesicht der unendlichen Platte des Meeres, dass der schiere Gegensatz droht, mich zu überwältigen. Mein Verstand kapituliert endgültig, in meinem Herzen erwacht eine riesige, mich von innen her zerbrechende Kraft. Stark wie das Meer, unendlich und gross…unheimlich tief. Mein winziger Körper, so unscheinbar klein im ewigen Gefüge der Natur, schüttelt sich, zittert. Ich schreie unwillkürlich auf und eine kleine salzige Träne löst sich aus meinem tiefen Innersten, löst sich vom Grund, der in mir wallenden, mich zerstörenden, brechenden Kraft, findet einen brennend ätzenden Weg, einen Weg hinaus. Ein Schleier zieht vor mein Auge, gnädiger schützender Schleier. Verzerrt die Wirklichkeit, gibt mir Schutz. Doch nur kurz. Verschwindet wieder, brennende Spur auf meiner Wange hinterlassend. Der Wind reisst den kleinen Tropfen Ozean aus meinem Auge mit sich, meine Seele, arme kleine Seele. Ich schaue ihr hinterher, ich sehe nichts. Ist weg und überall. Verschmilzt mit dem Ozean, wo sie hingehört. Ich schmecke es auf meiner Zunge, salzig, rieche es, frisch, kalt, sehr kalt und würzig. Sehe wieder klar den Weg vor mir. Der noch unbegangene Weg, mein Weg. Ich setze jetzt meinen linken Fuss vor den rechten und beginne meinen Weg zu gehen. Ein kleines Steinchen löst sich unter meiner Fusssohle und fällt. Fliegt. Schritt um Schritt, langsam aber immer weiter. Das Licht wird intensiver. Die Kraft in mir verändert sich mit dem Licht. Wird anders. Leichter und stärker, edler. Ich stöhne. Mein Verstand ist längst zerstört und meine innersten Schichten tragen mein Wesen nach aussen. Ich halte kurz inne, reisse mir die Kleider vom Leib, fühle mich völlig frei und ungeschützt, sensibel als wäre mein ganzer Körper ein bloss liegender Nerv. Der Wind zerrt an mir, lässt mich brennen, genauso wie der felsige Untergrund unter meinen Sohlen, genauso wie das Licht, das brennende Salz der Luft. Ich brenne und schreie, schreie mein Innerstes nach Aussen, mein Körper scheint sich umzustülpen, das Innerste nach Aussen zu kehren. Ich gehe weiter, meinen Weg, weiter und weiter. Der Himmel vor mir färbt sich Rot wie Blut, Orange, Gelb, immer heller und heller. Der Ozean verliert seine unheimliche Dunkelheit. Wird heller, intensiver, azurblau. Die Atmosphäre um mich intensiviert sich, vibriert vor Energie. Erste Strahlen der Sonne schiessen durch die Sphäre. Treffen mein wundes, empfindlichstes Inneres. Ich schreie erneut, vor Schmerz. Die einst in meinem Innersten gelegene Kraft ist jetzt aussen, wetteifert mit der Energie der ersten Sonnenstrahlen, nimmt ihre Kraft auf und wird noch stärker. Ich kann nicht mehr gehen, torkle nur noch, werde in die Knie gezwungen, schreiend. Falle auf alle Viere. Ziehe mich weiter, denn es ist mein Weg. Mein Weg. Mein Weg…
Vor mir öffnet jetzt der Himmel seine Pforten. Öffnet sich, ein Tor, grösser und grösser… Tor in die Ewigkeit, blenden hell und strahlend. Das Universum ergiesst sich in die Welt. Das Meer explodiert vor Energie. Weisse Tropfen Unendlichkeit…Luft wird heisser und heisser. Meine Kraft spürt das Universum und dessen Energie. Sehnt sich…Heiss. Sich verbinden und schmelzen. Mein Körper schmilzt, der Fels wird heiss. Weisse Luft, heiss. Licht. Vor mir. Weisses Licht. Ewigkeit. Winde mich vor Qual. Erblinde und sehe doch. Mein Atem setzt aus. Mein Herz implodiert mein Innerstes fällt zurück in mein Inneres, dehnt sich wieder aus und explodiert, implodiert, pulsiert. Schneller und schneller, heftiger. Vor mir ist mein Weg zu Ende. Nur strahlendes Weiss, Energie in ihrer reinsten Form. Und ich falle, nein, fliege! Ich ströme…fliesse….schmelze…verdampfe. Ins Licht, in die Unendlichkeit, Universum. Die Pforte hat sich geöffnet. Für mich. Denn es war mein Weg. Mein Weg!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
20.12.06 11:11
 


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